A. u. adelige Führungsschichten spielten für längere Zeitabschnitte im engeren SOE keine besondere Rolle. Ausgenommen Byzanz u. das erste →Bulgarische Reich, wo sich seit dem 9. Jh. eine Aristokratie herauszuformen beginnt, setzt dieser Prozess in den Balkanländern erst im späten MA bzw. in der FNZ ein (→Feudalismus [Byzanz u. ma. Balkan]). Gleichzeitig werden die freien bäuerlichen Gemeinden (→Dorf, Dorfgemeinschaft) zurückgedrängt oder hören zu bestehen auf. Die Ausbreitung des Osm. Reichs hatte gewaltige ges. Umschichtungen zur Folge. Eine davon war der Untergang der zum Teil erst jüngst entstandenen adeligen Schichten. Der Hochadel wurde völlig eliminiert, große Teile des niederen A. traten in die Armee der osm. Herren ein, wo sie als →Spahis bald islamisiert wurden (a. →Islamisierung). Die meisten Balkanvölker wurden damit ihrer soz. u. pol. Eliten beraubt mit Ausnahme der gr. →Phanarioten, der rum. →Bojaren u. des A.s in Zivilkroatien. Die meisten Experten sind sich darin einig, dass im Rahmen des Osm. Reichs v. einem eigtl. A. analog zu dem in West- u. Zentraleuropa nicht die Rede sein kann (vgl. aber →Feudalismus [Osm. Reich] zu adelsähnlichen Strukturen bei musl. Albanern u. →Bosniaken). So spielte eigentlich nur in den lediglich indirekt osm. beherrschten rum. Gebieten (→Donaufürstentümer) der A. v. der FNZ bis zum 2. Wk. kontinuierlich eine gesellschaftsformende Rolle.
– Die Einwanderung der Slaven im 6./7. Jh. (→Slavische Landnahme) wirkte sich nachhaltig auf die soz. Struktur des Byz. Reichs aus: Die alte Aristokratie des späten Röm. Reichs mit ihren umfangreichen Gütern u. zahlreichen →Kolonen verschwand; sie verlor durch die slavische Landnahme ihre ökon. Basis. In den folgenden etwa drei Jahrhunderten sollte der Kleingrundbesitz v. Bauern u. Stratioten (Wehrbauern, Soldaten) die Grundlage einer soz. relativ homogenen byz. Gesellschaft bilden. Seit dem 9. Jh. beginnt sich wieder eine grundbesitzende adelige Schicht auszuformen. Diese Schicht v. „Mächtigen“, die sich aus den obersten Rängen der Themenorganisation (→Themen) sowie aus den städtischen Spitzenbeamten u. hohen kirchl. Amtsträgern rekrutierte, konnte bereits im 10. Jh. ihre Güter auf Kosten der Kleinbauern, die bald in den Status v. wirt. abhängigen →Paröken sanken, rasch ausdehnen. Dieser Prozess trug entscheidend zur inneren Aushöhlung des Staates u. zu seinem vorübergehenden Verschwinden (1204–1261) bei (→Kreuzzüge). Nach seiner Wiedererrichtung erhielt die Aristokratie einen anderen Charakter. Kaiserliche, vorerst nicht erbliche Schenkungen (→Pronoia) an Land u. Paröken verpflichteten den Adeligen, Soldaten für die ksl. Armee auszurüsten. Aber die Entwicklung hin zum Eigentum konnte nicht verhindert werden. Dies führte langfristig zum Durchbrechen der staatl. Finanzhoheit, die im ausdrücklichen Verzicht auf bestimmte Steuern bei der Landvergabe mündete. Im Unterschied jedoch vom A. in Zentral- u. Westeuropa konnte der byz. offenbar keine lokalen Jurisdiktionsgewalten aufbauen, so dass die Abhängigkeit der Paröken auf eine ökon. begrenzt blieb.
Unter den sich ansiedelnden u. sehr langsam sich formierenden südslav. Gesellschaften dauerte es einige Jahrhunderte, bis sich aus ihrer Mitte adelige Schichten herauskristallisierten. Einzig unter den slav.-bulg. Stämmen wurde die Entwicklung dadurch wesentlich beschleunigt, dass sich die turkotatarische (→protobulgarische) Herrscherschicht (der Chan u. die adeligen „Boilen“ oder „Bagainen“ – die späteren slav. „Bojaren“) seit dem 8./9. Jh. auf Kosten der freien slav. Dorfgemeinden Territorialherrschaften zu errichten vermochten.
Was die Serben anbelangt, so werden für das 10. Jh. erstmals „Archonten“ (Fürsten; →Archon) an der Spitze einzelner vom Byz. Reich unabhängig werdender Teilgebiete erwähnt. Im 11. Jh. wird über eine Art Vasalleneid zw. Fürsten u. Adeligen berichtet. So scheint bereits in der Anfangsphase des spätma. serb. Feudalstaats (→Serb. Reich) eine adelige Schicht vorhanden gewesen zu sein, auf die sich die Zentralmacht hinsichtlich adm. u. militärischer Dienste stützen konnte. Sowohl der hohe als auch der niedere A. verfügte in Form der „Baština“ ein unbeschränktes u. erbliches Eigentums- u. Herrschaftsrecht über Güter mit hörigen Untertanen.
Über die Geschichte wie auch die Herkunft des kroat. A.s hat sich ein bis in die Gegenwart andauernder polemischer Diskurs zw. Historikern entfaltet. Ljudmil Hauptmann hat dieser Diskussion durch seine Theorie, die kroat. adelige Führungsschicht sei möglicherweise iranischen Ursprungs u. habe in der Phase nach der Ansiedlung auf dem Balkan auch über die Alpenslaven (Slowenen) geherrscht, entscheidenden Zündstoff verliehen. Die heutige kroat. Geschichtswissenschaft geht davon aus, dass sich eine adelige Schicht erst seit dem 11./12. Jh. auszubilden begann. Ursprünglich auf einen engen Bereich zw. Neretva u. Gvozd begrenzt, weitete sich der Einflussbereich des A. zw. dem 12. u. 15. Jh. auf alle kroat. Gebiete zw. Drau u. Adria aus. In dieser Zeit differenzierte sich der A. auch in einen höheren u. einen niederen aus; seine Strukturen als Stand (→Stände) stehen angesichts der staatsrechtl. Bindung u. familiärer Beziehungen des höheren A. im engen Zusammenhang mit den Strukturen des A. im engeren histor. Ungarn (→Adel [Ungarn]). Zu Beginn des 16. Jh.s standen etwa 850 bis 950 adelige Grundeigentümerfamilien 25.000 bis 30.000 abhängigen Bauernfamilien gegenüber. In den →Türkenkriegen verlor der kroat. A. in der sich ausbildenden →Militärgrenze jegliche Machtbasis. Die Ausdifferenzierung des A. wird gegen Ende des 16. Jh.s durch das Entstehen einer verarmten bauernadeligen Schicht, die zu Beginn des 19. Jh.s über 2.000 Familien umfasst (v. a. in der Mikroregion Turopolje: südl. v. Zagreb zw. Save im O u. Kupa im S: Plemenita općina Turopolje), abgeschlossen.
Während sich unter der alb. Bev. zw. dem 12. u. 14. Jh. ein A. ausbildet (vgl. →Albaner), sind in den Fürstentümern Moldau u. Walachei Anfänge einer analogen Entwicklung erst im 14. Jh., belegt. In der →Walachei entwickelte sich die adelige Bojarenschicht offenbar aus den Dorfkonföderationen (→Dorf, Dorfgemeinschaft) heraus: Über im einzelnen nicht nachvollziehbare Prozesse wandelten sich einige Dorfvorstände in Bojaren, die lediglich im Auftrag des →Vojvoden die Abgaben einhoben, u. schließlich in Feudalherrn. In der →Moldau entwickelte sich die Bojarenschicht aus der Notwendigkeit heraus, das nach der Vertreibung der →Tataren verwüstete Land wiederzubesiedeln. Der mold. Vojvode übertrug mit dem Recht, Dörfer wiederzubesiedeln, einzelnen Großen auch das Recht auf territoriale Herrschaft über diese Dörfer. Um etwa 1600 war die territoriale Basis der Bojaren, das heißt die Herrschaft über ehemals unabhängige Dorfgemeinschaften, bereits stark ausgebildet. Die Bojaren waren Mitglieder der untergeordneten Dorfgemeinschaften u. übten gleichzeitig auch die Herrschaft über sie aus. Aus dem davon abgeleiteten Recht, Land der Dorfgemeinschaft zu roden u. zu kultivieren, gelang es den Bojaren zum Teil, riesige Allodialwirtschaften aufzubauen, die über erzwungene Robotleistungen der Dorfgemeinde bearbeitet wurden. Die Güter der mächtigsten Bojaren umfassten zw. 200 u. 300 Dörfer. Neben dieser starken Bojarenelite konnte sich nie eine ernsthafte politische Konkurrenz entfalten. So gelang es ihr, alle zaghaften Versuche einer Agrarreform überstehend, bis nach 1918 u. weitgehend bis zum 2. Wk. Land u. Bauern zu beherrschen (→Bauernbefreiung; →Bodenreformen).
Lit.: M. Ivanović, Razvitak vojne službe kao osnov formiranja vlasteoskog sloja u srpskoj srednjovekovnoj državi, Vojno-istoriski glasnik (2014), H. 1, 30–48; N. Djuvara, Ce au fost boierii mari în Ţara Românească? Saga Grădiştenilor (secolele XVI– XX). Bucureşti 2010; C. C. Giurescu, Despre boieri şi despre rumâni. ebd. 2008; M. Andreis, Trogirsko plemstvo do kraja prve austrijske uprave u Dalmaciji (1805). Trogir 2006; M. Marković, Hrvatsko plemstvo, svećenstvo i redovništvo: njihova uloga u političkom, kulturnom i nacionalnom životu Hrvata. Zagreb 2003; Ž.Topalović, Sebri i vlastela: društveni poredak u staroj srpskoj državi. Beograd 2002; I.M. djordjević, Zidno slikarstvo srpske vlastele u doba Nemanjića. Beograd 1994; D. Spasić/A. Pa-lavestra/D. Mrdjenović, Rodoslovne tablice i grbovi srpskih dinastija i vlastele. Beograd 1991; The Byzantine Aristocracy, IX to XIII Centuries. Hg. M. Angold. Oxford 1984; H.H. Stahl, Traditional Romanian Village Communities. Cambridge 1980; G. Ostrogorski, O vizantijskom feudalizmu. Beograd o.J. [1969]; S.N. Lišev, Za genezia na feodalizma v Bălgarija. Sofija 1963; B. Grafenauer, Zgodnjefevdalna družbena struktura jugoslovanskih narodov in njen postanek, Zgodovinski časopis 14 (1960), 35–95; N. Klaić, Postanak plemstva „dvanaestero plemena kraljevine Hrvatske“, Historijski zbornik 11/12 (1958/59), 121–163; G. Ostrogorski, Pronoja. Prilog istoriji feudalizma u Vizantiji i u južnoslovenskim zemljama. Beograd 1951; L. Hauptmann, Podrijetlo hrvatskog plemstva, Rad JAZU 273 (1942), 79–112.
1935 aus verschiedenen Splittergruppen entstandene, nur mäßig erforschte rechtsgerichtete Bewegung unter der Führung von Dimitrije Ljotić (1891–1945). Der faschistische Charakter der Bewegung (→Faschismus) gilt als umstritten: dafür sprechen Dimitrije Ljotićs offene Sympathien für Hitlerdeutschland u. seine ständestaatlichen Entlehnungen bei Mussolinis Italien, dagegen die intensiven Anleihen beim serbisch-orth. Nationalismus, die Z. eher als eine relig.-konservative Bewegung mit begrenzter Eigenständigkeit gegenüber theologischen Autoritäten der Zeit erscheinen lassen. Insbesondere Bischof Nikolaj Velimirović übte großen Einfluss auf Z. aus.
Die Bewegung bediente sich ohne Scheu moderner Kommunikationsmittel, kritisierte aber den modernistischen Irrweg, den →Serbien seit Beginn seiner Selbstständigkeit im frühen 19. Jh. eingeschlagen habe – Importe westlicher Kultur sollten viel selektiver als bislang erfolgen. Mit anderen orth. Antiwestlern hatte Ljotić gemein, dass er die Entfremdung der serb. Elite vom Volk beklagte u. sich eine orth. geprägte Führungsschicht wünschte. Eher untypisch im serb. ideologischen Spektrum der Zeit war Ljotićs extremer →Antisemitismus, der nicht rassisch, sondern relig. argumentierte u. den Juden vorwarf, sich stets gegen Gottes Autorität aufgelehnt u. deshalb auch das Christentum bekämpft zu haben. Ljotić war ferner von dem frz. kons. Denker Charles Maurras (1868–1952) beeinflusst, dem Chefideologen der Action Française. Mit Maurras teilte Ljotić die Vorstellung, Parteien u. ges. Klassen seien mechanische Unterteilungen u. zerstörten den organischen Zusammenhalt einer Gesellschaft; außerdem mache sich das Judentum diese Institutionen zunutze, um die christl. Nationen zu unterjochen. Ljotić übernahm v. Maurras das Ideal des Ständestaates u. legte in seiner kurzen Zeit als jug. Justizminister (Feb.–Juni 1931) Kg. Aleksandar sogar einen entsprechenden Verfassungsentwurf vor, den jener aber erschrocken zurückwies. Den Vorzug seiner eigenen ständestaatlichen Vorstellungen gegenüber der inneren Ordnung Deutschlands u. Italiens sah Ljotić darin, dass seine Bewegung nicht die mechanische Einteilung der Gesellschaft zum Zweck leichterer Durchherrschung anstrebe. Stattdessen begreife Z. die Gesellschaft als organischen Körper Christi, weshalb Berufsgruppen u. Stände einerseits stark u. frei seien, andererseits aber durch christl. Werte zusammengehalten würden.
Vor dem 2. Wk. war Z., im Gegensatz etwa zur →Eisernen Garde in Rumänien, eine pol. Randgruppe, die bei Wahlen lediglich in Ljotićs Heimatort Smederevo größere Stimmanteile mobilisieren konnte, landesweit aber nie über 10.000–30.000 Stimmen hinauskam. Ein Grund für diesen geringen Erfolg war, dass die Bewegung in der serb. Öffentlichkeit mit den unbeliebten Achsenmächten Deutschland u. Italien identifiziert wurde. Außerdem konnte Ljotić weder mit seiner exaltierten Religiosität noch mit seinem Antisemitismus an starke ges. Traditionen anknüpfen. Der Einfluss unter rechten u. orth. Intellektuellen war allerdings größer. Die Mitgliederzahl von Z. wird auf immerhin 5.000-6.000 geschätzt. Mitglieder wurden unter antikomm. Studenten, in Priesterseminaren oder aber in der von Bischof Velimirović geleiteten Frömmigkeitsbewegung der →Bogomoljci rekrutiert. Bedeutend war auch die Öffentlichkeitsarbeit über eine Reihe eigener Zeitschriften, Bulletins, Pamphlete, Vorträge usw. Während des 2. →Wk.s erlebte Z. im besetzen Serbien einen unverhofften Aufstieg, weil sich Ljotić offen für die Zusammenarbeit mit den Deutschen zur Verfügung stellte u. die Bewegung zur einzigen erlaubten pol. Vereinigung avancierte. Intensiver noch als das Oberhaupt der serb. Kollaborationsregierung Milan Nedić glaubte Ljotić an einen serb. Platz in Hitlers „neuem Europa“. Zbor unterstützte die Wehrmacht bei der Verfolgung von Juden u. Partisanen u. gründete hierzu auch eine eigene militärische Formation (Srpski dobrovoljački korpus = Serbisches Freiwilligenkorps). Seit 1942 führte die Organisation in Smederevska Palanka eine Umerziehungsanstalt für linksgerichtete Schüler u. Studenten. Obwohl Z. diese Aktivitäten als Konsequenz richtig verstandenen orth. Glaubens anpries, identifizierte sich weder die Hierarchie der Serb. Orth. Kirche noch die Mehrzahl ihrer Gläubigen damit, sondern stellte sich v. a. auf die Seite der traditioneller orientierten, ideologisch weniger straffen →Četnici. Mit dem Ende der dt. Besatzung 1944 wurden viele Z.-Mitglieder v. den →Partisanen festgesetzt u. hingerichtet, anderen gelang die Flucht ins westliche Ausland. Nachdem Dimitrije Ljotić 1945 bei einem Autounfall in Slowenien ums Leben gekommen war, existierte die Bewegung nur mehr in der Emigration weiter, wobei sich München zu einem bedeutenden Zentrum entwickelte. In den 1990er Jahren wurde die Strömung in Serbien wiederbelebt, ein wichtiges Publikationsorgan war zw. 1999 u. 2004 die Zeitschrift Srpske organske studije. Serbischen Nationalisten sind sich bis heute über die Bewertung von Z. uneinig, wobei die Gegner zahlreich sind u. ihre Ablehnung mit der Kollaboration im Zweiten Weltkrieg, aber auch mit der Instrumentalisierung des orth. Christentums begründen.
Lit.: K. Buchenau, Auf russischen Spuren. Orthodoxe Antiwestler in Serbien, 1850–1945. Wiesbaden 2011, 371–390; B. Petrov, Ideology and Education in Occupied Serbia, 1941–1944, Etudes Balkaniques 47 (2011), H. 1, 88–108; V. Džomić, Srbska crkva, Ljotić i ljotićevci. Beograd, Podgorica 2009; Srpska konzervativna misao. Hg. M. Djordjević. Beograd 2003; D. Dostanić, JNP Zbor i srpsko pravoslavlje, Zbornik Matice srpske za društvene nauke 133 (2010), 49–73; M. Falina, Between ,Clerical Fascism’ and Political Orthodoxy: Orthodox Christianity and Nationalism in Interwar Serbia, Totalitarian Movements and Political Religions 8 (2007), 247–258; M. Bojić, Jugoslavenski narodni pokret „Zbor“ 1935–1945. Jedan kritički prikaz. Beograd 1996; M. Martić, Dimitrije Ljotić and the Yugoslav National Movement Zbor, 1935–1945, East European Quarterly 14 (1980), H. 2, 219–239; M. Stefanović, Zbor Dimitrija Ljotića, 1934–1945. Beograd 1984. K. Bu.